Eugen Biser

Eugen Biser (1918 – 2014) war von 1974 bis 1986 Inhaber des renommierten Guardini-Lehrstuhls für Christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie an der LMU München und wurde 1979 auf Initiative des Pfarrers Prälat Helmut Hempfer vom damaligen Erzbischof Joseph Kardinal Ratzinger zum Universitätsprediger berufen. 28 Jahre lang hielt er regelmäßig die sonntägliche Abendmesse in St. Ludwig und füllte mit seinen faszinierenden Predigten die Kirche. Auf der Grundlage des II. Vatikanischen Konzils, das er zeitlebens gegen mancherlei Relativierungsversuche verteidigte und für eine Überlebensnotwendigkeit der Kirche hielt, entwickelte er sein theologisches Denken. In den Mittelpunkt stellte er dabei nicht Glaubenssätze oder moralische Vorschriften sondern die mystische Beziehung zu Jesus Christus. Einer unheilvollen Tradition kirchlicher Angst- und Drohpädagogik erteilte er eine radikale Absage und verkündete den Gott der bedingungslosen Liebe, den er als die größte Herausforderung für jeden Menschen bezeichnete. Erst so könne das Christentum zu seinem innersten Wesen finden, seine heilsame Kraft entfalten und die kreativen Kräfte jeder einzelnen Persönlichkeit freisetzen. Papst Benedikt XVI. würdigte in seinem Jesus-Buch ausdrücklich Bisers Sichtweise des Christentums als „therapeutische Religion“. Eugen Biser hatte eine große Affinität zur Musik und auch zu den bildenden Künsten. In Deutungen der Werke Bachs, Beethovens, Schuberts und Mahlers oder berühmter Gemälde der Kunstgeschichte beleuchtete er deren spirituelle Kraft. Biser, der u. a. über Friedrich Nietzsche promovierte, pflegte den intensiven freundschaftlichen Kontakt mit Vertretern anderer christlicher Konfessionen und des Judentums und eröffnete einen vertrauensvollen Dialog mit islamischen Theologen, was der überzeugte Pazifist für eine unabdingbare Voraussetzung für den Weltfrieden hielt. Seine Gedanken hat er in zahlreichen Buchveröffentlichungen festgehalten, darunter auch drei Bände mit in St. Ludwig gehaltenen Predigten. Heute pflegt die Eugen Biser Stiftung sein Erbe und führt sein theologisches und gesellschaftliches Engagement weiter.