Romano Guardini

Romano Guardini wurde am 17. Februar 1885 in Verona geboren. Sein Theologiestudium absolvierte er in Freiburg im Breisgau und Tübingen. 1923 wurde Guardini formal auf einen Lehrstuhl für katholische Weltanschauung an der Universität Breslau berufen, um unmittelbar nach seiner Berufung in Breslau dauerhaft beurlaubt zu werden und fortan als „ständiger Gast“ (so die offizielle Bezeichnung im Vorlesungsverzeichnis) katholische Weltanschauung an der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin zu lehren. Dort blieb er bis zur erzwungenen Emeritierung 1939 durch die Nationalsozialisten.

1945 wurde Guardini an die Philosophische Fakultät der Eberhard Karls Universität Tübingen berufen und lehrte dort Religionsphilosophie und christliche Weltanschauung. 1948 folgte er schließlich einem Ruf der Ludwig-Maximilians-Universität nach München, wo er bis zur Emeritierung erneut Christliche Weltanschauung und Religionsphilosophie lehrte.

Etwa 1949 begann Guardini seine Predigttätigkeit in der Ludwigskirche, die fast anderthalb Jahrzehnte dauerte. Guardini hatte zudem die Erlaubnis, probeweise versus populum zu zelebrieren. Um das zu ermöglichen, wurde ein Holzaltar auf Rädern zu seinem Gottesdienst am Sonntag um 11 Uhr auf den Platz unmittelbar unter der Vierung hereingerollt. Diese Erfahrung war wichtig für die Entscheidung, bei der Renovierung 1956 den Hauptaltar der Kirche als Zentralaltar unter der Vierung zu errichten.

In seinen Schriften und Predigten gelang ihm die Verbindung von moderner Lebenswelt und religiöser Symbolik, von Glauben und wissenschaftlicher Weltanschauung, von Kunst und Philosophie. In der katholischen Jugendbewegung gehörte Guardini zu den prägendsten Persönlichkeiten und trat als akademischer Lehrer mit außergewöhnlich hohem Zuspruch auf.

Guardinis theologische Klassiker sind bleibend gültige Standardwerke der spirituellen Theologie. In „Der Herr“ von 1937 zeichnet Guardini beispielsweise behutsam die Gestalt Jesu Christi nach und weist unter anderem mit pädagogischer Feinfühligkeit, und im tiefen Wissen um die Person, auf das scheinbare Paradox der christlich geglaubten Liebe, zwischen Selbstannahme und Selbsthingabe.

Romano Guardinis letzte Ruhestätte († 1. Oktober 1968 in München) befindet sich heute in seiner alten Wirkungsstätte, der „Universitätskirche“ St. Ludwig in München, in der Seitenkapelle rechts neben dem Hauptaltar.

Gebet um die Seligsprechung

Herr Jesus Christus,
Du hast Deinen Diener Romano Guardini zu einem leuchtenden Lehrer und Erzieher
der jungen Generation berufen und sie dadurch für die Kirche gewonnen.
Du hast ihn mit klarem Denken und treffender Sprache begabt, um Deine Wahrheit Vielen
zu verdeutlichen.
Du hast seinen geraden Weg in schwierigsten Zeiten gestützt, so dass er zum Vorbild
für Unzählige wurde, auch für den christlichen Widerstand im totalitären Staat.
Du hast ihn im Kampf mit der Schwermut und mancherlei Leiden gestärkt.
Du hast ihn mit der Gabe der Freundestreue ausgezeichnet.
Du hast sein Wirken als Priester und Prediger, auch für viele Außenstehende,
mit spürbarem Segen verbunden.

Wir bitten Dich:
Schenke ihn uns zur Verehrung,
damit die Menschen von heute die Heiligkeit Deiner Kirche erkennen,
damit sich auch die junge Generation für Dich entflammt,
damit Menschen in seelischen und leiblichen Leiden durch sein Beispiel aufgerichtet werden,
damit die Heiligkeit Gottes neu wahrgenommen wird.
Ehre sei dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und immer und in Ewigkeit. Amen.