Walter Klingenbeck

wurde am 30. März 1924 in München geboren und am 12. April 1924 in St. Ludwig getauft. Wohnhaft in der Amalienstraße 44 wurde er von seinen Eltern selbstbewusst katholisch erzogen. Da schon sein Vater Ludwig Klingenbeck in der Pfarrgemeinde sehr engagiert war, wurde auch Walter unter Kaplan Georg Handwerker als Mitglied in der Katholischen Jungschar von St. Ludwig aktiv. Deren Zwangsauflösung 1936 durch das NS-Regime verbitterte ihn sehr und führte zu intensiver Auseinandersetzung mit den Widersprüchen zwischen kirchlicher Lehre und dem Handeln des NS-Staates.

Als Anlernschaltmechaniker und leidenschaftlicher Radiobastler hörte er gemeinsam mit seinem Vater verbotenerweise und deshalb heimlich Radio Vatikan und die BBC. Gemeinsam mit seinen ebenfalls konsequent katholischen Freunden Daniel von Recklinghausen und Hans Haberl plante er den Aufbau eines eigenen Widerstandsradios und konstruierte mehrere kleine Radiosendeanlagen. Auch Flugblätter bereitete er vor und brachte an öffentlichen Gebäuden Victory-Zeichen an.

Verraten von einer Bekannten, wurde er am 26. Januar 1942 verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat, landesverräterischer Feindbegünstigung und Beihilfe zur Schwarzsendung angeklagt. Vom zweiten Senat des Volksgerichtshofs wurde er am 24. September 1942 trotz seines jugendlichen Alters gemeinsam mit seinen beiden Freunden zum Tode verurteilt. Das Gericht vermerkte bei allen drei Angeklagten als besonders belastend ihre religiöse Überzeugung, ihre unbeugsame katholische Haltung und ihre Treue zur Kirche.

Während die Todesstrafe bei Daniel von Recklinghausen und Hans Haberl nach mehreren Monaten Haft in langjährige Zuchthausstrafen umgewandelt wurde, hatte ein Gnadengesuch von Walter Klingenbeck keinen Erfolg. Er wurde am 5. August 1943 in der Haftanstalt München-Stadelheim durch das Fallbeil hingerichtet.

Nach der Bestattung am 6. August 1943 am Perlacher Forst wurde Walter Klingenbeck 1949 auf den Münchner Westfriedhof überführt. Sein Grab befindet sich im Gräberfeld 39 - Reihe 4 - Grabnummer 21.

"Gott braucht zuweilen Menschen, die dem Tag vorauslaufen, um ihn anzumelden; aber sie müssen sterben, bevor der Tag kommt."

P. Peter Lippert SJ auf dem Totenzettel von Walter Klingenbeck

"Ich habe soeben die Sakramente empfangen und bin jetzt ganz gefasst. Wenn Du etwas für mich tun willst, bete ein paar Vaterunser."

Walter Klingenbeck im Abschiedsbrief an Hans Haberl

Allmächtiger, ewiger Gott, Du hast Deinem Diener Walter Klingenbeck die Kraft gegeben, durch seinen Tod für Recht und Wahrheit einzutreten. Höre auf die Fürsprache Deiner heiligen Märtyrer und hilf uns, alle Mühe und Last zu ertragen und Dich, unser wahres Leben mit ungeteiltem Herzen zu suchen. Darum bitten wir Christus, unseren Herrn.

Amen

Herausgeber: Walter-Klingenbeck-Gesellschaft e.V.

Akustisches Denkmal für Walter Klingenbeck von Gerald Fiebig und Mathias Huber ("die grenzlandreiter") anläßlich der "Ortstermine 2006" - Kunst im öffentlichen Raum des Kulturreferats der Landeshauptstadt München.

"'Der Hitler soll sein Maul nicht so voll nehmen' - Das kurze Leben von Walter Klingenbeck" Eine Sendung von Aldo Parmeggiani.

Beitrag des Bayrischen Rundfunks, 6. Min., in der ARD-Mediathek (unter Mitwirkung von Pfr. Ulrich Babinsky)

"Radio hören als Staatsverbrechen", DIE ZEIT